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Editorial April 2010: Neues diagnostisches Konzept zur Endometriose |
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Das Medizinische Zentrum entwickelt neues diagnostisches Konzept zur Endometriose
Liebe Patientinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen bei Frauen vor den Wechseljahren und die Ursache
vielfältiger Probleme. Einfach gesagt kommt es zur Verschleppung und Absiedlung von Gebärmutterschleimhautzellen (sog. Endometrium-Zellen)
außerhalb des Ursprungsorgans. Am häufigsten kommen diese Endometriose-Herde in der Muskulatur der Gebärmutter (sog. Adenomyosis uteri),
im Eierstock und Eileiter und im Beckenbauchfell vor. Seltener finden sich Endometriose-Herde aber auch in der Harnblase, dem Darm, der Scheide,
dem Bauchnabel, den Becken- und Leistenlymphknoten oder entfernten Organen wie Lunge, Leber oder Zentralnervensystem. Sehr selten wird
auch die bösartige Umwandlung von Endometriose-Herden beobachtet.
Leitsymptom der Endometriose sind teilweise extreme regelabhängige (seltener auch regelunabhängige) Unterleibsschmerzen. Relativ häufig sind
auch noch ungewollte Kinderlosigkeit, chronische Harnblasenschmerzen im Sinne einer unspezifischen Blasenentzündung oder Probleme bei der
Stuhlentleerung. Blutauflagerungen auf dem Stuhl oder Blutbeimengungen im Urin sind heutzutage eher selten, doch können in schweren Fällen
nach wie vor umfangreiche Tumor-Konglomerate im kleinen Becken, sowie die betroffene Patientin extrem belastende Fistelbildungen zwischen
Gebärmutter, Gebärmutterhals oder Scheide und den benachbarten Hohlorganen (Harnblase, Harnleiter, Dick- und Dünndarm) beobachtet werden.
Zahlreiche Beschwerden der Endometriose sind eher unspezifisch und daher haben viele Endometriose-Patientinnen, die sich in unseren
Sprechstunden einfinden, bereits einen längeren Leidensweg hinter sich.
Die Ursache der Endometriose ist nach wie vor unklar. Prinzipiell werden gegenwärtig verschiedene Theorien diskutiert, von denen zumindest einige
nebeneinander eine Berechtigung haben. Die Hauptursache wird gegenwärtig in der sogenannten "retrograden Menstruation" gesehen. Viele Frauen
bluten während ihrer Menstruation nicht nur über die Scheide sichtbar nach außen, sondern auch über die offenen Eileiter in die Bauchhöhle hinein.
Wenn man unmittelbar nach der Menstruation eine transvaginale Ultraschall-Untersuchung durchführt, kann man dies oft beobachten. In vielen Fällen
werden dabei Gebärmutterschleimhautpartikel in die Bauchhöhle verschleppt. Doch nur bei einigen Frauen können sich diese Endometrium-Zellen im
kleinen Becken einnisten und auch weiter wachsen.
Heutzutage weiß man, dass sowohl bestimmte invasive Eigenschaften der Zellen als auch eine gewisse genetisch fixierte Bereitschaft der Patientin
zur Entwicklung einer Endometriose zusammentreffen müssen, damit es zur Krankheitsmanifestation kommt. Eine Mutation in einem Gen des
Cytochrom P450-Systems der Leber (verantwortlich für zahlreiche lebensnotwendige Soffwechselprozesse), dem CYP2C19-Gen,
ist mit einem 3-4-fachen Endometriose-Risiko verbunden. Das MZB führt gegenwärtig einzigartig im Raum Bonn-Rhein-Sieg einen entsprechenden
Gen-Test durch. Wenn dieser Test positiv ausfällt, kann dann vor einer Operation (in Kooperation mit der radiologischen
Gemeinschaftspraxis Nückel/Vahlensieck) eine spezielle Kernspin-Tomographie (sog. Methämoglobin-MRT) zur Entdeckung kleinster Endometriose angeschlossen werden.
Bei allen Patientinnen mit chronischen Regelschmerzen, ungewollter Kinderlosigkeit, Menstruationsproblemen oder diffusen Unterleibs- bzw.
Blasenschmerzen empfehlen wir den CYP2C19-Test, den Sie exklusiv in der Region bei uns erhalten können. Dies gilt auch für alle Patientinnen, die ein innovatives Konzept in der Endometriose-Diagnostik und -Therapie wünschen.
In der Endometriose-Behandlung wenden wir alle konventionellen aber auch innovativen medikamentösen Therapien an. In vielen Fällen ist allein
die Gabe einer Gelbköperhormon-betonten Pille ausreichend. Manchmal müssen aber auch intensive Pharmakotherapien einschließlich
Aromatase-Hemmstoffen oder Cyclooxygenase II-Inhibitoren eingesetzt werden. In vielen Fällen kann ohne operative Diagnostik bereits ein tragfähiges und zukunftsweisendendes Therapiekonzept erstellt werden. Bei Rückfragen steht Ihnen unser kompetentes interdisziplinäres Team gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team Gynäkologie und Geburtshilfe
Jutta A. Kurbacher, Dr. med. Birgit Krusenotto, Cornelia Korn, Priv.-Doz. Dr. med. Christian M. Kurbacher
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