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Editorial März 2009: Medizinische Forschung - nur etwas für Uniklinken? |
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Liebe Patientinnen und Patienten, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen!
Die meisten Menschen glauben, dass Forschung in der Medizin hierzulande ausschließlich
in Universitätskliniken stattfindet. Einige haben davon gehört, dass es in
Deutschland darüber hinaus viele eigenständige Institute gibt, die sich mit
Teilaspekten der medizinischen Forschung, zumindest auf der theoretischen Ebene,
beschäftigen. Hierzu gehören z. B. die Max-Planck- und Fraunhofer-Institute. Wie
viele wissen, betreiben natürlich auch zahlreiche Pharma-Unternehmen medizinische
Forschung – aber ist das wirklich objektiv? Skepsis hierzu darf zumindest angemeldet
werden!
Vielen von Ihnen aber vermutlich völlig unbekannt ist die Tatsache, dass sich auch
zahlreiche private Institutionen an medizinischen Forschungsprojekten beteiligen,
oder – noch mehr – sie selbst konzipieren und durchführen. Die Motivation dieser privaten Einrichtungen, die in viel
geringerem Umfang als z. B. Universitätskliniken über öffentliche Zuschüsse und Industriegelder verfügen können,
ist nicht nur die vermehrte Akquise von Forschungsgeldern sondern insbesondere die optimierte Versorgung ihrer
eigenen und die Schaffung von Attraktionsmomenten für auswärtige Patienten, da sie in viel stärkerem Umfang
als Universitätsklinken oder auch außeruniversitäre Forschungs-Einrichtungen von betriebswirtschaftlichen
Gegebenheiten abhängig sind.
Positive Charakteristika wie intellektuelle Leistungsfähigkeit, Gestaltungswille, Einsatzbereitschaft, Vorstellungsvermögen
und wissenschaftliche Qualität der jeweiligen Forschungsvorhaben sind aber keineswegs an die
Zugehörigkeit zu einer Universität, einem Großklinikum oder einem universitären bzw. außeruniversitären Institut
gebunden, sondern vor allem von der individuellen, die Funktion ausfüllenden Person abhängig. Und das ist auch
prinzipiell in einem privaten Institut genau so gut umzusetzen wie im Uni-Klinikum oder einem großen Institut.
Zu den forschenden privaten Instituten in Ihrer Umgebung gehört auch das Medizinische Zentrum Bonn.
Unserem Selbstverständnis eines interdisziplinären organ-onkologisch ausgerichteten Zentrums entsprechend,
haben onkologische Projekte bei uns einen besonderen Stellenwert. Wir nehmen gegenwärtig an zahlreichen
nationalen und internationalen Therapiestudien zur Behandlung des primären und metastasierten Brustkrebses, des
primären Eierstockkrebses und des malignen Melanoms (schwarzer Hautkrebs) und anderer Hautkrebsformen teil.
Für einige Projekte, wie z. B. die Elektrochemotherapie bei verschiedenen Hautkrebsformen und Hautmetastasen
anderer bösartiger Tumoren sind wir nationales Referenzzentrum. Unterstützt werden wir bei dieser Arbeit von den
engagierten Dokumentationskräften in unserem Studiensekretariat, dem versierten Personal in den
Forschungslaboratorien des Medizinischen Zentrums und unseres Schwester-Unternehmens L.a.n.c.e. mbH
[www.lance.de] sowie zahlreichen Doktorandinnen und Doktoranden, die bei uns in verschiedenen klinischen und
wissenschaftlichen Projekten engagiert sind.
Ein hervorstechendes Kennzeichen unserer Forschungsvorhaben ist ihre konsequente Praxisorientierung. Dies gilt
auch für experimentelle Untersuchungen, die wir nie zum Selbstzweck sondern stets mit dem Blick auf ihre unmittelbare
klinische Umsetzbarkeit durchführen. Das grundlegende Problem für diese sogenannte translationelle
Forschung ist die Tatsache, dass sie zur Zeit noch in weit geringerem Umfang als die Grundlagen- oder die rein klinische
Forschung auf finanzielle Unterstützung aus staatlichen bzw. industriellen Quellen zurückgreifen kann.
Dennoch halten wir derartige Projekte, deren Durchführung für uns nur aufgrund eines hohen Grads an Idealismus
und Motivation des gesamten Teams möglich ist, für wichtig, da sie uns teilweise erst ermöglichen, unseren
Patienten stets innovative Therapiekonzepte anbieten zu können.
Die Ergebnisse von Untersuchungen, die wir teilweise in Kooperation mit dem L.a.n.c.e.-Labor und renommierten
internationalen Instituten wie dem Translational Oncology Research Centre der University of Portsmouth, UK,
durchgeführt haben, wurden in hochrangigen internationalen Zeitschriften publiziert. Hierzu gehören neben der
Erfassung pathologisch erniedrigter Spiegel des aktivierten Vitamin D3 bei Krebspatienten (Reinhold et al., Oncol.
Rep. 2008) vor allem auch Untersuchungen des Verstärkungseffekts von Cholesterinsenkern auf die krebshemmende
Wirkung des Bisphosphonats Zoledronsäure (Knight et al.; BMC Cancer, 2009). Bisphosphonate werden schon länger
in der Behandlung knochenzerstörender Erkrankungen wie der Osteoporose aber auch von Knochenmetastasen
eingesetzt. Daneben gibt es mittlerweile etliche experimentelle und klinische Studien, die nahelegen, dass die
Substanzen auch einen eigenen tumorhemmenden Effekt aufweisen. Nach primärer Brustkrebsbehandlung führt die
Gabe von Bisphosphonaten daher nicht nur zu einem geringeren Auftreten von Knochenmetastasen sondern auch
zu einer Verminderung der tumorbedingten Sterblichkeit. Trotz der überzeugenden Datenlage sind Bisphosphonate
in Deutschland beim Brustkrebs derzeit noch nicht zur Rezidivprophylaxe zugelassen. Dennoch bieten wir, als eine
der wenigen onkologischen Therapieeinrichtungen der Umgebung, bei Patientinnen mit Hochrisiko-Erkrankung oder
mit Osteoporose-fördernder Medikation wie der Behandlung mit Aromatase-Hemmstoffen, bereits seit längerer Zeit
eine prophylaktische Bisphosphonat-Therapie an, unabhängig vom Versicherungsstatus. Während wir
ursprünglich meist die orale Therapie mit Clodronsäure präferierten, favorisieren wir aufgrund des fehlenden
Auftretens von Magenproblemen seit einiger Zeit die intravenöse Gabe von Zoledronsäure (Zometa®) in halbjährlichen
Abständen. Bei älteren Patienten oder eingeschränkter Nierenfunktion ist die Infusion von Ibandronat
(Bondronat®) alle 3 Monate eine sinnvolle Alternative.
Die meisten großen Kliniken schließen sich erst jetzt unserer schon seit Jahren praktizierten Vorgehensweise an.
Wir selbst gehen aber heute bereits einen Schritt weiter. Nachdem zahlreiche experimentelle und epidemiologische
Untersuchungen nahelegten, dass Cholesterinsenker in funktionell ähnlicher Weise tumorhemmend wirken
wie Bisphosphonate, lag es nahe zu überprüfen, ob sich beide Substanzgruppen funktionell unterstützen. Und das
zu beweisen, ist uns im Rahmen unseres jüngsten wissenschaftlichen Projekts mit L.a.n.c.e. mbH und der
University of Portsmouth gelungen. Nichtsdestotrotz ist Cholesterin für zahlreiche biologische Prozesse lebenswichtig.
Bei normalem Cholesterinspiegel ist die Gabe eines Cholesterinsenkers als problematisch einzuschätzen. Viele
Brustkrebspatientinnen haben jedoch einen hochnormalen oder sogar pathologisch erhöhten Cholesterinwert, gerade
dann, wenn sie eine antihormonelle Behandlung mit einem Aromatase-Hemmstoff erhalten. In derartigen Fällen
bieten wir daher die zusätzliche Gabe eines Cholesterinsenkers (am effektivsten ist hier vermutlich Fluvastatin
(Locoll®)) an.
Alles in allem: Die Universitätskliniken Bonn, Köln, Düsseldorf und Aachen sowie die verschiedenen regionalen und
überregionalen Brustzentren, aber auch die anderen internistisch-onkologischen Großpraxen in der Region haben
im Medizinischen Zentrum Bonn einen wissenschaftlich-medizinisch hoch kompetenten und im Hinblick auf das
wissenschaftliche Engagement zum Thema Bisphosphonate in der Tumorprävention sogar führenden Partner bei
der Erforschung und Behandlung vor allem auch bei Brustkrebs- und Prostatakarzinompatienten.
Als Akademisches Lehrzentrum der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn fühlen wir uns im
Medizinischen Zentrum Bonn unserem eigenen Anspruch verpflichtet, die wissenschaftliche Qualität, vor allem
auch im Bereich der Onkologie, entscheidend voran zu treiben und unseren Patientinnen und Patienten die besten
und innovativsten Therapiekonzepte anbieten zu können.
Ihr

Priv.-Doz. Dr. med.
Christian M. Kurbacher
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