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Editorial Oktober 2008: Sonnenlicht - Freund oder Feind bei Krebs? PDF Print



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Liebe Patientinnen und Patienten, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Hautkrebserkrankungen weisen die höchsten Steigerungsraten unter allen Krebserkrankungen in der weißen Bevölkerung der westlichen Industrienationen auf. Die Zahlen sind alarmierend und werden in den nächsten Jahrzehnten noch weiter steigen. Für die Entstehung der häufigsten Formen von Hautkrebs ist in erster Linie die ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) der Sonne verantwortlich. Einen besonderen Einfluss hat die UV-Belastung der Haut in der Kindheit und Jugend. Aber auch künstliche UV-Quellen sind für die steigende Zahl von Hautkrebsfällen mitverantwortlich. Eine große Zahl der Hautkrebserkrankungen könnte vermieden werden, wenn es mittels präventiver Maßnahmen gelänge, die Bevölkerung zur Wahrnehmung von Krankheitsverhütungs- und Früherkennungsmaßnahmen zu motivieren.

Vom Gesetzgeber wurde zum 1. Juli 2008 die Hautkrebsfrüherkennungmaßnahme eingeführt. Die für den Patienten kaum belastende Untersuchung ist mit einer zusätzlichen Information über den richtigen UV-Schutz verbunden und sollte zukünftig von möglichst vielen Bürgerinnen und  Bürgern wahrgenommen werden.

Neben den bekannten negativen Folgen des Sonnenlichtes gibt es jedoch auch positive Effekte, deren Relevanz derzeit in der Wissenschaft intensiv diskutiert wird. In diesem Zusammenhang kommt der Vitamin-D-Produktion in der Haut eine besondere Rolle zu. Es ist seit langem bekannt, dass der UV-B-Anteil des Sonnenlichtes für die Synthese von Vitamin D in der Haut essentiell ist. Inzwischen wird dem Vitamin D eine schützende und vorbeugende Wirkung gegen verschiedene Krebserkrankungen zugeschrieben. So zeigen wissenschaftliche Studien, dass 1000 i.E. (internationale Einheiten) Vitamin D – ob nun durch Sonnenlicht erzeugt oder durch die Nahrung zugeführt – das Darmkrebsrisiko vermutlich um die Hälfte sinken lassen. Darmkrebs kommt in den eher sonnenarmen Nordoststaaten der USA doppelt so häufig vor wie im sonnigen Süden. Seit Jahren finden Forscher immer wieder Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Krebs. Derzeit wird vermutet, dass ein Vitamin-D-Mangel  bei ca. 20 verschiedenen Krebsarten (z.B. Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs) das Erkrankungsrisiko erhöhen kann.

Im Medizinischen Zentrum Bonn Friedensplatz wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes zusammen mit dem Labor für experimentelle Medizin der Freien Universität Brüssel/Belgien über einen Zeitraum von einem Jahr der Vitamin-D-Status von Krebspatienten des Zentrums in Bonn untersucht. Die Studie wurde in der internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschrift Oncology Report veröffentlicht (Circulating 25-hydroxyvitamin D concentration in German cancer patients. (Uwe Reinhold1, Barbara Schmitz1, Christian Kurbacher1, Wolfgang Nagel1, Matthias Schmidt1 and Willy J. Malaisse2
1Medical Center Bonn Friedensplatz, 16 Friedensplatz, D-53111 Bonn, Germany; 2Laboratory of Experimental
Hormonology, Brussels Free University, 808 Route de Lennik, B-1070 Brussels, Belgium, Oncology Reports 20: 1539-1543, 2008.) Die Auswertung dieser wissenschaftlichen Untersuchungen hat ergeben, dass auf der Basis der aktuellen Empfehlungen bei älteren Menschen in mehr als 50 % ein manifester Vitamin-D-Mangel vorliegt. Der Vitamin-D-Mangel war in den Wintermonaten am ausgeprägtesten. Bei einem relevanten Anteil der Patienten musste der Vitamin-D-Mangel als schwer eingestuft werden (< 10 ng/ml).

Dieses Ergebnis deckt sich mit der Vermutung amerikanischer Wissenschaftler, dass weltweit etwa eine Milliarde Menschen an Vitamin-D-Mangel leiden. Als besonderes Ergebnis dieser Untersuchung stellt sich heraus, dass speziell bei Patientinnen mit Brustkrebs bereits in früheren Lebensjahren ein manifester Vitamin-D-Mangel vorliegt. Dieses Ergebnis stützt die Vermutung anderer internationaler Forscher, dass Vitamin-D-Mangel in besonderer Weise mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Brustkrebs verbunden sein könnte.

Betroffen vom Vitamin-D-Mangel können generell alle Bevölkerungsgruppen sein. Zu den Risikogruppen zählen, wie auch andere Studien gezeigt haben, vor allem ältere Menschen sowie Menschen mit starker Hautpigmentierung. Aber auch fettleibige Menschen leiden häufig ebenfalls unter Vitamin-D-Mangel. Die Ursache besteht im hohen Gehalt an Körperfett, das Vitamin-D, ein fettlösliches Hormon, sehr effektiv bindet und dadurch aus dem Blut entfernt. Ein stärkerer Vitamin-D-Mangel besteht darüber hinaus häufig im Winter.


Nach den bisherigen Erkenntnissen genügt in der Regel eine kurzzeitige und begrenzte Lichtexposition, um ausreichende Vitamin-D-Spiegel zu erzielen. Allerdings herrscht in unseren Breiten zwischen Oktober und März eine geringe UV-Strahlung, wodurch zu wenig Vitamin-D in der Haut produziert wird. Das in Sonnenstudios häufig verwendete UV-A-Licht führt nicht zur Vitamin-D-Bildung in der Haut. Die Möglichkeit, Vitamin D über die Nahrung aufzunehmen, ist sehr begrenzt. Daher muss in vielen Fällen das Vitamin als pharmakologisches Präparat zugeführt werden.

Fazit:

Das aktuelle Programm der Hautkrebsfrüherkennungsuntersuchung und UV-Schutzberatung stellt einen Meilenstein für die Volksgesundheit und Präventivmedizin der Bundesrepublik Deutschland dar. Unabhängig von allen Diskussionen zum Thema Vitamin-D gilt weiterhin, dass bei längerer Sonnenlichtexposition unbedingt ein ausreichender Sonnenschutz durchgeführt werden muss, um einen Sonnenbrand und andere schädliche Folgen exzessiver Sonnenlichtexposition vorzubeugen. Auch die ärztlich nicht überwachte, künstliche UV-Bestrahlung kann nicht empfohlen werden. Allerdings müssen protektive Effekte des Sonnenlichtes im Einzelfall vom Arzt berücksichtigt werden und der Vitamin-D-Status der Bevölkerung und insbesondere bei Populationen mit einem hohen Risiko eines Vitamin-D-Mangels besser überwacht werden.


Ein erkannter Vitamin-D-Mangel muss konsequent behandelt und kontrolliert werden. Zur Vorbeugung von Krebs wird derzeit ein Mindestwert von 30 ng/ml Vitamin-D im Blut empfohlen. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind dringend erforderlich, um den Stellenwert von Vitamin D bei verschiedenen Krebserkrankungen besser beurteilen zu können.

Ihr


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Prof. Dr. med. Uwe Reinhold