Synonym: Varikosis; Varizen
Ursache
In den Venen der Beine muss das Blut entgegen der Schwerkraft zum Herzen transportiert werden. Dies gelingt nur bei intakten Strombahnen und funktionierenden Venenklappen, die das Blut nur nach oben durchlassen sollen. Sind die Strombahnen verstopft (z.B. durch Blutgerinnsel "Thrombosen"), oder sind die Venenklappen wegen einer Bindegewebsschwäche erweitert, staut sich das Blut in den Hautvenen. Dadurch erweitern sich diese und werden zu Krampfadern (die feinen "Besenreiser" gehören nicht dazu).
Beschwerden
Die Krampfadern können sich entzünden oder platzen und heftig bluten (Notfall, sofort zum Arzt!). Der ständige Blutstau führt zu Schweregefühlen, Schwellung und Hitzegefühl der Füße und Unterschenkel, die schlechte Durchblutung mit sauerstoff- und nährstoffarmen Blut führt zu Hautekzemen mit Juckreiz und offenen Geschwüren, typischerweise oberhalb des Innenknöchels. Es können sich Blutgerinnsel bilden, die die Venen verstopfen ("Venenthrombosen"). Die Gerinnsel können sich mit dem Blutstrom losreißen und in der Lunge zur gefährlichen Lungenembolie führen.
Behandlung ohne Operation
Entstauende Maßnahmen: Hochlagern der Beine, Ausstreichen der Füße und Unterschenkel in Herzrichtung, "Wippen" der Füße im Stand oder Gehen mit komprimierenden Verbänden oder Kompressionsstrümpfen.
Durchblutungsfördernde Maßnahmen: Wechselwarme Bäder oder Wassergüsse der Waden (Zu heiße Bäder sollten vermieden werden), sportliche Betätigung, Gewichtsabnahme bei Übergewichtigen, Medikamente haben eher geringeren Erfolg.
Verödung ("Sclerosierung"): Besenreiser und kleinere Krampfadern können aus ästhetischen Gründen verödet werden, indem mit einer feinen Kanüle ein Verödungsmittel gespritzt wird, welches die Gefäße "verklebt". Größere Krampfadern können sich wieder öffnen, bei häufigen Verödungen können Schäden an den tiefen Venen entstehen. Gelegentlich treten nach Verödung braune Hautflecken auf.
Behandlung mit Operation
Prinzip: Operative Entfernung der Krampfadern. Die Operation soll die Beschwerden beheben, Komplikationen (Thrombose, Geschwür) vorbeugen und das lebenslange Tragen von Kompressionsstrümpfen ersetzen:
Seitenastexstirpation: Bei Krampfadern, die sich nicht auf die Hauptstämme erstrecken, reicht die Entfernung in örtlicher Betäubung durch kleine Hautstiche.
Krampfader-Stripping: Bei defekten Hauptstämmen müssen diese ebenfalls wie die übrigen Seitenast-Krampfadern entfernt werden. Die Stammvenen ("Vena saphena magna" von der Leistenbeuge an der Innenseite von Ober- und Unterschenkel bis zum Innenknöchel verlaufend und "Vena saphena parva" von der Kniekehlenmitte über die Wade hinter den Aussenknöchel verlaufend) sind für eine Entfernung durch einzelne Hautstiche aber zu lang. Sie werden daher mit einer Sonde aufgefädelt und herausgezogen ("Stripping"). Wegen der Schmerzen und des Zugs an der Sonde erfolgt diese Operation in der Regel in Vollnarkose.
Betäubungsform
Lokalanästhesie bei Seitenastexstirpation, Vollnarkose, ggfs. Regionalanästhesie beim Krampfader-Stripping.
Vorbereitung: Röntgenaufnahmen der Venen mit Kontrastmittel ("Phlebographie") oder/und Ultraschall- und Doppler-Untersuchung der Beine einschließlich schriftlichem Befund. Anästhesievorbereitung, Rasieren des Operationsbereiches.
Nachbehandlung
Bei Seitenast-Exstirpation Kompressionsverbände und Fadenentfernung nach ca. 1 Woche, Vermeidung übermäßiger Wärme der Beine, bei starker Blutergußbildung Einreibung mit hirudoidhaltigen Salben. Bei Krampfader-Stripping zusätzlich Thrombose-Vorbeugung über wenige Tage und Tragen eines Kompressionsstrumpfes für 1 - 2 Monate.
Komplikationen
Flächenhafte blaue Blutergüsse sind wegen der blutgefüllten Krampfadern üblich, verschwinden aber innerhalb weniger Wochen. Manche Hautstiche oder Schnitte können zu einer überschiessenden Narbenbildung oder Verfärbung neigen. Im Bereich der Schnittwunden oder nach Stripping am Unterschenkel können teilweise bleibende Taubheitsgefühle am Innen- oder Aussenknöchel auftreten. Zur Vermeidung stärkerer Blutergüsse insbesondere in der Leiste werden gelegentlich Wundschläuche mit Vakuumflasche für 1 Tag eingelegt. Venenthrombosen sind möglich und sollen beim Stripping mit Antithrombosespritzen vermieden werden.
Behandlungsdauer
Operationsdauer unterschiedlich je nach Umfang der OP 1/2 - 2 Stunden, Aufenthalt in der Praxis ca. 1 - 4 Stunden, im Krankenhaus ca. 7 - 10 Tage. Gesamte Behandlungsdauer bei ungestörtem Heilungsverlauf ca. 1 - 3 Wochen. Bei Behandlung von beiden Beinen erfolgen die Operationen in der Regel nicht am gleichen Tag, sondern im Abstand von mindestens 1 Woche, dementsprechend Verlängerung der gesamten Behandlungsdauer.
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